Karde: Wächterin des Feldes
Am Rand des Weges, wo das Gras hoch steht und sich im Wind bewegt, steht die Karde (Dipsacus fullonum) als stille Wächterin des Feldes. Sie gehört zur Familie der Geißblattgewächse. In ihrem ersten Jahr bildet sie nur eine Blattrosette, niedrig am Boden und geduldig wartend. Erst im zweiten Jahr schießt sie in die Höhe, manchmal bis zu zwei Meter hoch, mit stacheligen Stängeln.
Karde in der Blüte
Ihre ovalen Blütenköpfe bestehen aus Hunderten kleiner, lilafarbener Blüten, die sich ringförmig öffnen. Zuerst in der Mitte, dann nach oben und unten. Wer täglich an ihr vorbeigeht, sieht das Blühen und die Bewegung, als würde die Pflanze langsam atmen. Hummeln, Bienen und Schmetterlinge werden vom reichen Nektar angezogen. Im Herbst suchen die Stieglitze nach den Samen, die in den verdorrten Köpfen zurückgeblieben sind.
Blätter
Die Blätter der Karde stehen sich gegenüber und bilden gemeinsam eine kleine Schale um den Stängel. Darin sammelt sich Regenwasser. Manchmal ertrinken kleine Insekten in diesem stillstehenden Wasser.
Der Name der Karde
Wenn der Sommer verblasst und die Farben schwinden, bleibt die Karde aufrecht stehen. Braun und stachelig, wie eine stille Skulptur dessen, was gewesen ist. Früher nutzten die Menschen diese trockenen Blütenköpfe, um Wolle und Textilien zu karden; die Fasern wurden mit ihnen aufgerichtet und gekämmt. Die widerhakigen Stacheln eigneten sich dafür perfekt. So erhielt die Pflanze ihren Namen.
Winter
Selbst im Winter, wenn alles zu ruhen scheint, bleiben die Karden sichtbar. Ihre Silhouetten heben sich gegen den bleiche Himmel ab, voller Erinnerung an Sonne, Regen und Vogelgesang. Sie sind mehr als Pflanzen. Sie sind Wächterinnen der Jahreszeiten, und an Orten wie diesem Naturfriedhof stehen sie als stille Symbole für Standhaftigkeit, Erinnerung und den Kreislauf des Lebens.


